80 Jahre Deportation nach Gurs

Gemeinsame Gedenkveranstaltungen

82. GEDENKTAG - NOVEMBERPOGROME 1938
Montag, 9. November 2020

Das gemeinsame Gedenken von badischen Städten und jüdischen Gemeinden an die Novemberpogrome 1938 kann in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nur eingeschränkt stattfinden. Am 82. Gedenktag der Reichspogromnacht wird es aufgrund der steigenden Infektionszahlen keine öffentlichen Gedenkveranstaltungen geben. Das Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome 1938 wird deshalb vor allem online stattfinden und in den digitalen Raum ausgeweitet.

In Heidelberg wird die Stadt am Synagogenplatz Steine bereit stellen, damit Bürger nach jüdischem Brauch einen Stein am Mahnmal ablegen können. Gemeinsam werden Bürgermeister Wolfgang Erichson, Vadim Galperin, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Heidelberg und Rabbiner Jona David (Janusz) Pawelczyk-Kissin der Opfer gedenken.

In Baden-Baden wird es ein nichtöffentliches Treffen mit Vertretern der Stadt und der Israelitischen Kultusgemeinde geben.

In Pforzheim ist für Montagvormittag eine digitale Gedenkfeier geplant, bei der ein Video gezeigt wird, das in Zusammenarbeit mit Schülern des Hilda-Gymnasium, des Reuchlin-Gymnasium und der Jüdischen Gemeinde Pforzheim entstand. Darin werden im Anschluß an die Ansprache des ersten Bürgermeisters Dirk Büscher über die Ereignisse der Nacht auch die Biografien der ehemaligen jüdischen Mitschülerinnen und Mitschüler aufgezeigt sowie Briefe von Zeitzeugen aus dem Jahr 1989 gelesen. Das Video kann abgerufen werden unter www.pforzheim.de/gedenkfeier.

Wie in vielen Städten findet auch in Pforzheim die Kranzniederlegung nur im kleinen Kreis statt. In Pforzheim wird in diesem Jahr erstmals ein Kranz des Bundespräsidenten niedergelegt werden. Die Kranzniederlegung des Ersten Bürgermeisters Dirk Büscher als Vertreter der Stadt Pforzheim und des IRG Baden-Vorsitzenden Rami Suliman, als Vertreter der Jüdischen Gemeinde Pforzheim, ist zu sehen unter SWR - Kranzniederlegung Pforzheim.

Bundesweit wird am 9. November 2020 an die Ereignisse der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 und der Tage danach erinnert, als in ganz Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei von den Nationalsozialisten organisierte brutale Gewaltexzesse gegen die die jüdische Bevölkerung stattfanden. Mehr als 1.400 Synagogen wurden in Brand gesteckt. Bei den von oben angeordneten Ausschreitungen gegen die jüdischen Bürgerinnen und Bürger kam es zu Zerstörungen und Plünderungen jüdischer Geschäfte und Wohnhäuser, zu Schändungen jüdischer Friedhöfe und zu schweren tätlichen Angriffen und körperlichen Misshandlungen, an denen während oder unmittelbar in Folge daran etwa 1.300 Menschen starben. Viele Juden wurden verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Die Reichspogromnacht 1938 war Auftakt zur systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung, dem größten Völkermord in Europa.

 

80 Jahre Deportation nach Gurs

Gemeinsame Gedenkveranstaltungen

80. GEDENKTAG - DEPORTATION NACH GURS
Donnerstag, 22. Oktober 2020

In diesem Jahr jährt sich am 22. Oktober zum 80. Mal die Deportation der Jüdinnen und Juden aus Baden, dem Saarland und der Pfalz in das südfranzösische Konzentrationslager Gurs. Badische Städte und jüdische Gemeinden erinnern in gemeinsamen Gedenkveranstaltungen an die über 6.500 deportierten jüdischen Kinder, Frauen und Männer. Mangelnde Grundversorgung, katastrophale hygienische Zustände, Hunger, Nässe und Kälte führten schon bald zu Krankheiten und Epidemien, an denen vor allem Kinder und ältere Menschen starben. Nur wenige Lagerinsassen entgingen durch internationale Hilfsorganisationen oder persönliche Kontakte den folgenden Deportationen in die Vernichtungslager. Zwischen 1942 und 1944 wurden die noch lebenden Badener Juden über die Zwischenstation des Sammel- und Durchgangslagers Drancy bei Paris in die deutschen Vernichtungslager im Osten nach Auschwitz, Lublin-Majdanek, Sobibor oder andere Lager transportiert. Die meisten von ihnen wurden dort kurz nach ihrer Ankunft ermordet. Von den nach Gurs deportierten badischen Juden überlebten nur einige wenige die Shoa.

Landesweit sind am 22. Oktober 2020 Gedenkfeiern geplant:

In Karlsruhe gibt es am Donnerstagnachmittag eine Gedenkveranstaltung auf dem Jüdischen Friedhof und ab 18 Uhr eine Gedenkveranstaltung im Generallandesarchiv, die per Live-Stream im Internet übertragen wird. Neben Oberbürgermeister Frank Mertrup spricht Solange Rosenberg, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Karlsruhe.

In Konstanz wird mit 112 Kerzen an die Opfer gedacht, die aus 112 Wohnungen und Häuser geholt worden waren.

Die Städte Bühl, Baden-Baden, Gernsbach und Rastatt erinnern gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden an die Deportation der jüdischen Bevölkerung nach Gurs in Form einer kleinen Veranstaltungsreihe:
um 12 Uhr in Gernsbach (Salmengasse), um 14 Uhr in Bühl (Mahnmal am ZOB), um 14 Uhr in Rastatt (Bahnhofsvorplatz) und um 17 Uhr in Baden-Baden (Gurs-Gedenkstein beim alten Bahnhof/Festspielhaus).

In Freiburg findet um 14 Uhr eine Stadtführung "Jüdische Geschäftsleute, die mit ihren Familien nach Gurs deportiert wurden" mit Bernd Serger, dem langjährigen Chefredakteur der Badischen Zeitung (Stadtredaktion) statt. Um 16:30 Uhr findet eine öffentliche Gedenkfeier am Platz der alten Synagoge mit Redebeiträgen von Martin Horn, Oberbürgermeister der Stadt Freiburg und Irina Katz, Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde Freiburg statt. Anschließend Blumenniederlegung und "El Male Rachamim" im Gedenken an die Deportierten und Ermordeten.

In Emmendingen werden Oberbürgermeister Stefan Schlatterer und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Olga Maryanovska, jeweils einen Kranz zum Gedenken an der Gedenkstätte am Emmendinger Friedhof niederlegen. Für die 102 deportierten Menschen werden Rosen mit den jeweiligen Namen abgelegt.

Informationen zur Deportation der badischen Jüdinnen und Juden und zum Lager "Camp de Gurs": Internierungslager Gurs

Bitte beachten Sie bei allen Veranstaltungen die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln und die Maskenpflicht.

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