Tu Bischwat, 15. Schwat 5786 (02. Februar 2026)
Wenn im Heiligen Land die ersten Knospen blühen, feiern wir Tu Bischwat (wörtlich 15. Schwat), das “Neujahrsfest der Bäume“. Der große Segen der Bäume zum Wohl der Menschen und die Würdigung der Schöpfung sind Mittelpunkt dieses Festes. Es ist Brauch an diesem Tag die “Sieben Arten von Früchten“, die die Tora für das Heilige Land verspricht, zu genießen: Weintrauben, Feigen, Datteln, Oliven, Granatäpfel, Weizen und Gerste. Eine weitere Tradition wird in Israel mit dem Pflanzen von Bäumen gepflegt. Tu Bischwat verstärkt und sensibilisiert uns für die Bedürfnisse der Natur. Und macht uns unserer Verantwortung des Auftrags zum Erhalt der Schöpfung noch deutlicher bewusst.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen und Ihren Familien stärkenden Genuss und gutes Tu Bischwat!
Der Vorstand der IRG Baden
Rabbiner Moshe Flomenmann,
Landesrabbiner von Baden
Bildquelle: Shutterstock.com
Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten die schwachen und halbverhungerten Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Den Soldaten bot sich ein grauenhaftes Bild. Sie fanden Tote über Tote, zersprengte Gaskammern und Krematorien, Tonnen von Haaren, Mäntel, Schuhe, Brillen. Wie kein anderer Ort symbolisiert das größte deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager die barbarischen Verbrechen der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Ermordungsmaschinerie, bei der im nationalsozialistischen Rassenwahn über 6 Millionen jüdische Menschen, mehr als die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Europas, systematisch ermordet wurden. Der Internationale Holocaust-Gedenktag erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus und mahnt eindringlich, jeder Form von Antisemitismus entschieden entgegenzutreten.
Gedenk-Veranstaltungen in Kooperation der jüdischen Gemeinden in Baden zum 81. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz:
Baden-Baden
Israelitische Kultusgemeinde Baden-Baden
Infos unter: www.ikg-baden-baden.de
- Dienstag, 27. Januar 2026 / 11:30 Uhr
Ort: Gedenkstein am Johannesplatz Bühl
"Gedenkstunde: Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" - Dienstag, 27. Januar 2026 / 17:00 Uhr
Ort: Willi-Brand-Platz. 76530 Baden-Baden
"Gemeinsam erinnern. Gemeinsam wachsam bleiben."
Wiederaufstellung des Holocaust-Mahnmals - Dienstag, 27. Januar 2026 / 17:30 Uhr
Ort: Jüdischer Friedhof Rastatt, Gerwigstr. 1, 76417 Rastatt
"Gedenkstunde: Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus"
Anmerkung: Männliche Besucher werden gebeten, auf dem Friedhof eine Kopfbedeckung zu tragen.
Emmendingen
Jüdische Gemeinde Emmendingen und Verein für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen e.V..
Infos unter: www.juedisches-museum-emmendingen.de
- Sonntag, 18. Januar 2026
17:00 Uhr / "Kindheit im Danach – Zweitzeugengespräch mit Nicole Noa-Pink"
Eine Veranstaltung zur Erinnerung an den 27. Januar 1945, an die Befreiung der letzten Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz.
Ort: Synagoge Emmendingen, Neuer Saal, Landvogtei 11, 79312 Emmendingen
Über das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Vorbereitung des Völkermordes
Die Brutalität der nationalsozialistischen Rassenpolitik radikalisierte sich ab den Novemberpogromen vom 8. Auf den 9. November 1938, bei denen jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört und geplündert, 250 Synagogen in Brand gesteckt, 91 jüdische Bürger ermordet und mehr als 25.000 Juden in Konzentrationslager verschleppt worden waren. Die jüdische Auswanderung kam mit Beginn des Zweiten Weltkrieges faktisch zum Erliegen.
Über 2.000 Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen entzogen mit formaljuristischen Begründungen den deutschen Juden alle Rechte. Am 22. Oktober 1940 fand vor aller Augen mit den badischen, pfälzischen und saarländischen Jüdinnen und Juden die erste große Massen-Deportation in ein Internierungslager statt.
Ab 1941 mussten alle Juden in Deutschland zur Kennzeichnung den „gelben Judenstern“ tragen. Im Sommer 1941 beschloss die NS-Führung die Ermordung aller lebender Juden im deutschen Machtbereich. Hundertausende Juden aus fast ganz Europa wurden nun systematisch in die Ghettos im Osten deportiert, öffentlich vollzogen auf den Versammlungsplätzen und Bahnhöfen. Deutsche Einsatzkommandos unterstützt von Waffen-SS, regulären Polizeieinheiten und Wehrmachtsgruppen töteten mehr als eine halbe Million Menschen, darunter Frauen und Kinder. Die größten Massaker wurden verübt in Kamenez-Podolsk 23.600 Tote, Babij Jar 33.700 Tote, Witebsk 16.000 Tote, Dnjepropetrowsk 10.000 Tote, Odessa 27.000 Tote, Dalnik 20.000 Tote, Rowno 21.000 Tote, Minsk 19.000 Tote, Riga 38.000 Tote, Wilna 33.500 Tote. Die Menschen wurden zusammengetrieben, mussten sich entkleiden und dann in kleinen Gruppen an den Rand einer Grube treten, wo sie erschossen wurden. Auf der „Wannsee-Konferenz“ am 20 Januar 1942 besprach Heydrich mit Staatssekretären und hohen Funktionären des NS-Staates die „Endlösung der Judenfrage“ - verwaltungsmäßige und technisch-organisatorische Details der „effektiven“ Umsetzung des Völkermordes in Europa.
Was geschah
Zentrum der europaweit koordinierten und systematisch durchgeführten NS-Vernichtungspolitik wurde das 1940 in der südpolnischen Stadt Oswiecim errichtete Arbeits- und Konzentrationslager (KZ) Auschwitz. Das Lager, umzäunt von unüberwindbaren Stacheldraht- und mit Starkstrom geladenen Elektrozäunen, bestand aus dem Stammlager, dem drei Kilometer entfernten Lager Birkenau, in dem sich die Gaskammern und Verbrennungsöfen befanden sowie aus 47 Zwangsarbeiterlager bei Industrieanlagen wie Krupp, Bergwerken und landwirtschaftlichen Betrieben, die sich in der Umgebung ansiedelten. Für den damals größte Chemiekonzern der Welt – IG Farben – wurde 1941 das Nebenlager Monowitz erbaut. Bis zu 155.000 Menschen wurden in diesem Gebiet zusammengepfercht.
In das größte Arbeits- und Vernichtungslager fuhren ab Beginn 1942 die Deportationszüge aus fast ganz Europa. Der aus Baden-Baden stammende und in Mannheim aufgewachsene Lagerkommandant Rudolf Höß setzte ab 1941 das Blausäuregift Zyklon B zum Massenmorden ein. In Birkenau wurden seit Juni 1942 Deportierte aus ganz Europa noch am Tag ihrer Ankunft an der Rampe zu Zwangsarbeit oder zum Tod „selektiert“. Nur etwa 15-20 Prozent eines jeden Transports wurden für die Zwangsarbeit am Leben gelassen. Frauen, Kinder, Alte, Schwache und als nicht arbeitsfähig eingestuften Menschen wurden nach der Selektierung in Birkenau in den als Duschräume getarnten Gaskammern grausam ermordet. Ein Sonderkommando von Häftlingen musste anschließend die Leichen aus den Gaskammern holen und in den Krematorien verbrennen. Die Lebenserwartung der als arbeitsfähig eingestuften Zwangsarbeiter betrug durchschnittlich 3 Monate. Ihre Lebenskraft wurde bis zuletzt ausgebeutet. 11-12 Stunden teils schwerster Zwangsarbeit bei dürftigen Essenrationen, anhaltendem Wassermangel, widrigsten Hygiene- und Lagerzuständen in feuchten und völlig überfüllten Baracken führten zu grassierenden Krankheiten und Epidemien. Tausende Menschen kamen neben der systematischen Ermordung auch durch medizinische Versuche des Lagerarztes Josef Mengele um. 1942 wurde der Ausbau des Konzentrationslagers mit weiteren Gaskammern und angeschlossenen Krematorien beschlossen.
Seit Ende 1942 und umfassender seit Frühjahr 1944 wussten die Westalliierten von Funktion und Zweck des Konzentrationslagers Auschwitz. Die amerikanische Luftwaffe flog Aufklärungsflüge, es erfolgten jedoch keine Luftangriffe. Der Vatikan und Papst Pius XII wussten spätestens ab Mai 1943 Bescheid, sie äußerten keinen öffentlichen Protest.
Das Morden wurde nahezu industriell weiter durchgeführt. Die letzte dokumentierte Vergasung im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau fand am 1. November 1944 statt. Die letzten Häftlinge kamen am 17. Januar 1945 in Auschwitz an. Von 1942 bis 1945 wurden im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau über eine Million jüdischer Menschen ermordet.
Als sowjetischen Truppen zum Lager vorrückten, sprengte das NS-Regime die Gaskammern sowie die angeschlossenen Krematorien, um angesichts der zu erwartenden Niederlage Beweise zu vernichten. In einer einzigen Nacht wurden noch 10.000 Häftlinge ermordet. Am 18. Januar 1945 begann die Evakuierung der Lager. 58.000 Häftlinge wurden aus dem Stammlager, Birkenau, Monowitz und zahlreichen Nebenlagern in Marschkolonnen in andere Konzentrationslager im Westen getrieben. Auf den Todesmärschen starben viele der Gefangenen an Erschöpfung, Durst, Hunger und Kälte oder wurden von den SS-Wachposten ermordet. In der Nacht vor dem 27. Januar 1945 sprengten die SS-Truppen das letzte Großkrematorium in Auschwitz-Birkenau.
Befreiung
Am 27. Januar 1945 befreite die 322. Infanteriedivision der 60. Armee der I. Ukrainischen Front unter dem Oberbefehl von Generaloberst Pawel Alexejewitsch Kurotschkin das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Die grauenvollen Bilder erschütterten die Welt. Die Befreier fanden rund 650 Leichen und etwa 7.600 Überlebende - mit Haut überzogene menschliche Skelette - viele in lebensbedrohlichem Zustand vor. 44.000 Paar Schuhe, Hundertausende Herrenanzüge und Damenmäntel- und Kleider, unzählige Brillen und über sieben Tonnen menschliches Haar zeugten vom Ausmaß der größten Todesfabrik der Nazis. Das unsägliche bis ins Letzte geplante Morden ging bis zum endgültigen Zusammenbruch des NS-Regimes noch in anderen Lagern und auf Todesmärschen weiter.
Während der Schoa wurden in Europa unter dem nationalsozialistischen Rassenwahn, der ein ganzes Volk von der Erde tilgen wollte, mehr als sechs Millionen jüdischer Menschen ermordet.
Täter
Nach Kriegsende rechtfertigten die meisten der an Vorbereitung und Durchführung beteiligten Täter die Taten damit, auf Befehl gehandelt zu haben. Viele leugneten gänzlich jegliche Beteiligung an den Verbrechen. In Wirklichkeit waren sie willige Helfer der nationalsozialistischen Ideologie, die viele Deutsche mit Überzeugung begeistert unterstützt hatten. Hundertausende unter der Bevölkerung hatten sich ohne Skrupel selbstsüchtig am geraubten Gut der deportierten Jüdinnen und Juden bereichert. Nur wenige Personen wurden später juristisch für die Beteiligung am Massenmord zur Rechenschaft gezogen.
Der meistgesuchte NS-Verbrecher, der erste Lagerkommandant von Auschwitz I, Rudolf Höß, wurde im März 1946 von einem jungen jüdischen Nazijäger in seinem Versteck in einer Scheune bei Flensburg gefasst. Höß sagte bei den Nürnberger Prozessen aus und wurde in einem anschließenden Prozess in Polen als Kriegsverbrecher zum Tode durch den Strang verurteilt. Er wurde im April 1947 an einem Galgen im ehemaligen KZ Auschwitz erhängt. (Quelle: lpb-bw).
Einzigartiges Dokument: Das Auschwitz-Album
Das Auschwitz-Album ist das einzige erhaltene fotografische Zeugnis für den Prozess der Ankunft in Auschwitz-Birkenau, der Selektion, der Konfiszierung des Eigentums und der Vorbereitung für den Massenmord. Das einzigartige Dokument wurde Yad Vashem von Lilly Jacob-Zelmanovic Meier überlassen: www.yadvashem.org/album-auschwitz
Yad Vashem
Mit dem weltweit größten Bestand an Informationen ist Yad Vashem eine der führenden Institutionen in den Bereichen der Pädagogik, des Gedenkens, der Forschung und Dokumentation des Holocaust. Das Gelände von Yad Vashem in Jerusalem umfasst 182,000 m² und beinhaltet verschiedenen Museen, Ausstellungen, Denkmäler, Skulpturen, Gärten und Forschungs- und Pädagogikzentren. Mehr zur Yad Vashem-Dokumentation über Auschwitz: www.yadvashem.org
Im Mittelpunkt des Gedenkens am 85. Jahrestag der Deportation der jüdischen Bürgerinnen und Bürger Pforzheims in das Konzentrationslager Gurs steht die feierliche Einweihung der neu gestalteten Gedenkstätte auf der jetzt „Platz des 22. Oktober 1940“ genannten Fläche am ehemaligen Hauptgüterbahnhof. Das Mahnmal wurde von der Jüdischen Gemeinde Pforzheim initiiert und mit finanzieller Unterstützung engagierter Bürgerinnen und Bürger, der Stadtgesellschaft und der Stadt Pforzheim realisiert. In dem von Architekt Peter W. Schmidt entworfenen Mahnmal wird namentlich aller nach Gurs deportierten Kinder, Frauen und Männer aus Pforzheim gedacht. Die von Pforzheim aus nach Gurs deportierten Jüdinnen und Juden aus Königsbach werden ebenfalls genannt.
Die Gedenkveranstaltung findet am Mittwoch, 22. Oktober 2025 um 12:30 Uhr im Beisein von Landtagspräsidentin Muhterem Aras, dem Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Abraham Lehrer, Oberbürgermeister Peter Boch und Rami Suliman, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Pforzheim und der IRG Baden statt. Ein Gurs-Überlebender sowie Nachfahren von Opfern der Deportation werden an der Gedenkfeier teilnehmen. Die musikalische Umrahmung gestaltet das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim und der Chor der Jüdischen Gemeinde Pforzheim. Das Totengebet spricht Rabbiner Moshe Judelevitz.
Das Denkmal ist ein sichtbares Zeichen des gemeinsamen Engagements und der Verantwortung für eine offene und gerechte Gesellschaft in Pforzheim und darüber hinaus. Es erinnert an die dunklen Kapitel der Geschichte und daran, wie wichtig Toleranz, Respekt und Menschlichkeit sind. Verbunden mit der Erinnerung ist die Mahnung für die Gegenwart, nie wieder solches Unrecht zuzulassen.
Bildquelle: Peter W. Schmidt Architekten, Pforzheim
Die Gedenkstunde des Landtags von Baden-Württemberg zum Holocaust-Gedenktag erinnerte am 26. Januar 2024 an die Schicksale der badischen Jüdinnen und Juden, die zu den Opfern der ersten großen Deportationsaktion im Deutschen Reich gehörten. Zugleich wurde das jüdische Leben im badischen Landesteil gewürdigt. An der bewegenden Veranstaltung im Konzerthaus nahmen rund 500 Personen teil, darunter Abgeordnete aller Fraktionen, Vertreterinnen und Vertreter von Regierung und Opfergruppen sowie ca. 200 Schülerinnen und Schüler aus sieben Schulen in Baden-Württemberg. Die Redner blickten mit mahnenden Worten auch auf die Gegenwart.
Videoaufzeichnung in der Mediathek des Landtags: Gedenkstunde am 26. Januar 2024
Landtagspräsidentin Muhterem Aras sagte, Antisemitismus sei leider nie verschwunden. Die Gesellschaft müsse deutlich machen, dass sie das nicht dulde, alle Bürgerinnen und Bürger seien nun gefragt, Position zu beziehen. "Auch um die Opfer des 7. Oktobers trauern wir heute," sagte sie. Israel sei für Jüdinnen und Juden weltweit nach Tausenden Jahren von Judenhass, nach Verfolgung und Vernichtung ein Zufluchtsort geworden, ein möglichst sicherer Hafen. Doch seit dem 7. Oktober gelte eine neue Zeitrechnung: "Der sichere Hafen wurde in den Krieg gestürzt, der Staat Israel tief verwundet." Aras kritisierte die Relativierung des Terrors mit "Ja, aber". Sie sagte: "Beschämenderweise auch hier, in Deutschland. Es gibt kein Aber. Keine Rechtfertigung für die Bluttaten der Hamas. Mit keiner einzigen Silbe!"
Der IRG Baden Vorsitzende Rami Suliman beschrieb, dass es im 19. Jahrhundert in hunderten Dörfern und Städten in Baden jüdische Bevölkerung gab. In manchen Ortschaften wie Königsbach oder Obergrombach stellten sie einen großen Teil der Bevölkerung. Gerade deshalb verwundert mit Blick auf diese große Sichtbarkeit heute, dass schon vor der Wannseekonferenz 1942 Baden in der Zeit des Nationalsozialismus als „judenfrei“ galt – vor den meisten anderen Regionen in Deutschland. Er fragte: „Wie kann es sein, dass gerade in Baden, das als so liberal galt, wo jüdisches Leben zum Alltag gehörte, dass gerade hier der Nationalsozialismus so schnell Fuß fassen und das jüdische Leben zerstören konnte?“ Im Hinblick auf den 7. Oktober mahnte Rami Suliman, das Thema der Verfolgung von Juden und das Erinnern nicht zu einem Thema für das Museum zu machen: „Judenverfolgung, Judenhass und Pogrome sind auch Teil unserer Gegenwart. Für uns ist das sehr präsent. Und es ist wichtig, das zu betonen: auch heute und hier! Dazu gehört auch, dass unser Einsatz gegen Antisemitismus hier in Deutschland nicht nur leere Worte sind!“ Er forderte: „Es muss ein genaues Hinschauen geben, wo Antisemitismus sich hinter anderen Themen versteckt und wo es in Wahrheit darum geht, jüdisches Leben zu zerstören!“ Geschlossen erhoben sich die Teilnehmer der Gedenkstunde zu seinem Aufruf: „An Tagen wie heute müssen wir deshalb aufstehen und alles dafür tun, dass solche Stimmen kein Gewicht haben. Stehen wir gemeinsam auf!“
Desweiteren sprach OB Dr. Frank Mentrup. Prof. Dr. Doron Kiesel, wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland, beschrieb in einem Fachvortrag jüdisches Leben in Baden damals und heute.
JuJuBa (Jüdische Jugend Baden) erinnerten sehr bewegend mit „Erinnerung ist Hoffnung – und Hoffnung ist Erinnerung“ an historische jüdische Persönlichkeiten aus Baden und an die badischen Opfer der Shoa. Jeder im Saal Anwesende erhielt einen Umschlag mit dem Namen einer der vom NS-Regime ermordeten badischen Jüdinnen und Juden zur Bewahrung. Mit dem Gedenken an Uriah Bayer (20), Sohn einer deutsch-christlichen Familie, die 1984 im nordisraelischen Maalot ein Pflegeheim für Holocaust-Überlebende gründeten, zeigte JuJuBa welch hoher Tribut der Schutz jüdischen Lebens in der aktuellen Lage fordert. Der junge Sergeant Major der israelischen Armee verstarb im Dezember 2023 nach schwerer Verwundung beim Kampf gegen die Terrororganisation Hamas, in deren Hände noch 136 Geiseln sind.
Feinfühlig umrahmten Fenella Bockmaier am Flügel sowie Mezzospranistin Shachar Lavi mit Ido Ramot (Klavier) die Gedenkstunde.

Stilles Gedenken auf dem Jüdischen Friedhof in Karlsruhe

v.l. Dr. Frank Mentrup (OB Stadt Karlsruhe), Muhterem Aras (Landtagspräsidentin BW), Rami Suliman (IRG Baden) mit Prof. Dr. Doron Kiesel (wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland)



Geschlossenheit zeigten die Teilnehmer der Gedenkstunde beim Aufruf des IRG Baden Vorsitzenden, Rami Suliman, gemeinsam gegen Antisemitismus aufzustehen

JuJuBa: Erinnerung ist Hoffnung - und Hoffnung ist Erinnerung


Fenella Bockmaier eröffnete die Gedenkfeier mit einem Musikstück von Paul Ben-Chaim Sonatina op.38: III Molto vivo

Die israelische Mezzosopranistin Shachar Lavi und Ido Ramot (Klavier) beschlossen die Gedenkeier mit einem Lied von Gustav Mahler
Israel erlebt schwere Tage des Grauens und des Blutvergießens. Seit der Shoa haben Jüdinnen und Juden kein solches Pogrom mehr erleiden müssen, wie am Schabbat des 7. Oktobers 2023. Wir sind zutiefst schockiert und entsetzt über den bestialischen Angriff auf unsere jüdische Heimat und die menschenverachtende Barbarei, die unsere Verwandten und Freunde getroffen hat. Tausende zivile Menschen, ob alt oder jung, wurden in den Kibbuzim und Dörfern auf grausamste, nicht vorstellbare Weise verletzt, entführt oder ermordet. Sogar vor Shoa-Überlebenden machte der entfesselte Terror keinen Halt. Immer noch sind viele der Entführten in der Hand der Terroristen, viele weitere werden vermisst. Kein Tag vergeht, ohne heftige Raketenangriffe und schwere Drohungen gegen Israel.
Wir verurteilen auf das Schärfste den brutal geführten Terror der Hamas und ihrer Unterstützer, der einzig die Vernichtung des Staates Israel und damit auch die Vernichtung unserer Demokratie und unseres freien Lebens zum Ziel hat.
Dankbar erfahren wir die große Unterstützung und Solidarität von so vielen Menschen für Israel und unsere jüdische Gemeinschaft!
Nie wieder ist jetzt!
AM ISRAEL CHAI - ES LEBE ISRAEL!
Der Vorstand der IRG Baden
Israel braucht unsere Hilfe! Hier können Sie unterstützen:
Keren Hayesod
Keren Hayesod hat umgehend eine weltweite Notfallkampagne für medizinische Ausrüstung und Medikamente, geschützte Notfallunterkünfte und psychologische Betreuung gestartet. Sie können sich an der Notfallkampagne beteiligen unter Spendenkonto: Keren Hayesod - Vereinigte Israel Aktion e.V.
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