Am 4. Juli 1971, also vor genau 50 Jahren, wurden die Thorarollen in die neue Synagoge Karlsruhe eingebracht. Lange war in den 60er Jahren diskutiert worden, zwei Jahre wurde gebaut, dann war sie 1971 fertig: Die erste noch bestehende Synagoge mit Gemeindezentrum nach dem Krieg in Baden. Aus Anlass des goldenen Jubiläums kamen zahlreiche Ehrengäste - unter den erschwerten Bedingungen der Vorgaben der Coronaverordnung - am Sonntag, 11.07.2021 zu einer Feierstunde in der Synagoge Karlsruhe zusammen. Kultusministerin Theresa Schopper vertrat das Land Baden-Württemberg mit einem Grußwort, Präsident Dr. Josef Schuster den Zentralrat der Juden in Deutschland und OB Dr. Frank Mentrup die Stadt Karlsruhe. Der Vorsitzende Rami Suliman und Landesrabbiner Moshe Flomenmann sprachen für die IRG Baden. Für die JKG Karlsruhe sprach deren Vorsitzende Solange Rosenberg. Als Zeitzeuge sprach Rabbiner Gerald Rosenfeld, der die Gäste an seinen Erinnerungen an die Synagogeneröffnung teilhaben ließ. Rami Suliman brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass die Karlsruher Gemeinde auf über 850 Mitglieder gewachsen ist und nach der Erweiterung des Gemeindezentrums bald über eine Mikwe verfügen wird. Er träumt davon, dass es eines Tages in Karlsruhe sogar einen jüdischen Kindergarten und eine jüdische Grundschule geben wird.

Bild 1: Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Bild 2: Rami Suliman, Vorsitzender der IRG Baden.

Bildquelle: Thorsten Orgonas, IRG Baden

Zurück zur Übersicht

Vor 80 Jahren, am 22. und 23. Oktober 1940, wurden über 6.500 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Baden, der Pfalz und dem Saarland mitten aus ihrem Leben gerissen und nach Südfrankreich in das Internierungslager Gurs deportiert. Unter ihnen waren auch 560 Kinder und Jugendliche. Die Lagerzustände waren katastrophal, viele Deportierte erkrankten und starben in den Folgemonaten. Ab 1941 arbeiteten verschiedene religiöse, humanitäre und politische Organisationen zusammen und bildeten eine „Ökumene des Widerstands“, um so viele Kinder und Jugendliche wie möglich aus Gurs und den Nebenlagern herauszuholen. Dem entschlossenen Handeln dieser mutigen Helfer*innen ist es zu verdanken, dass 409 jüdische Kinder und Jugendliche vor den Nazis und dem sicheren Tod gerettet werden konnten. Die übrigen der aus dem Südwesten verschleppten Menschen wurden ab 1942 in die Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und Sobibor deportiert und dort meist kurz nach ihrer Ankunft ermordet.

Unterstützt von der IRG Baden haben Brigitte und Gerhard Brändle über die Rettungsaktionen recherchiert und stellen in ihrer umfassenden Dokumentation „Gerettete und Ihre RetterInnen – Jüdische Kinder im Lager Gurs: Fluchthilfe tut not – eine notwendige Erinnerung“ die Biografien der 560 Kinder und Jugendlichen aus den Städten und Gemeinden Badens, der Pfalz und des Saarlands in den Mittelpunkt. Portraits, Bilder und Dokumente zeigen die Geschichte und die Geschichten der Geretteten. Viele Schicksale konnten erstmals dokumentiert werden. Ergänzt werden diese durch die Biografien ihrer meist unbekannten Retterinnen und Retter, die für die Rettungsaktionen ihre Freiheit und ihr Leben riskierten. Ihr moralisches Handeln wurde zum Leuchtfeuer in düsterer Zeit.

Brigitte und Gerhard Brändle geben ihnen mit dieser Dokumentation Stimme und Gesicht - ein eindrucksvolles Zeugnis von Menschlichkeit und Solidarität über politische und religiöse Grenzen hinweg, das Perspektiven für die Zukunft aufweist.

Herausgeber der 200 Seiten umfassenden Dokumentation über die Rettung der jüdischen Kinder im Lager Gurs ist die IRG Baden.

Brigitte und Gerhard Brändle: Gerettete und ihre RetterInnen

 

Zurück zur Übersicht

Eine Ausstellung der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Anlässlich des 80. Jahrestags der Deportation von über 6.500 Jüdinnen und Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland, die am 22. und 23. Oktober 1940 von den Nationalsozialisten in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert wurden und von denen nur wenige die Gräuel der Shoa überlebten. An diese Verbrechen und ihre Nachgeschichte erinnert die Ausstellung. Die 28 Tafeln umfassende Schau ist an zahlreichen Orten zu sehen, vom 9.4. bis. 3.10.2021 auch im Stadtmuseum im Prinz-Max-Palais in Karlsruhe. Das Stadtarchiv und die Historischen Museen Karlsruhe gestalten zusätzliche Ergänzungen über das Leben von Jüdinnen und Juden in Karlsruhe von den Anfängen bis zur Deportation.

Pandemiebedingt fand die Eröffnung der Ausstellung mit musikalischer Umrahmung am Donnerstag, 8. April 2021 um 19:00 Uhr virtuell statt und wurde per Livestream übertragen. Die Eröffnung kann unter Ausstellung-Eröffnung GURS 1940 auf dem YouTube Kanal der Stadt Karlsruhe eingesehen werden.

Auf die Begrüßung durch den Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup folgten das Grußwort für das Land BW durch Volker Schebesta MdL, Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg sowie das Grußwort des Vorsitzenden des Oberrats der IRG Baden, Rami Suliman.

Weitere Informationen zur Ausstellung, zu den Ausstellungsorten und Laufzeiten sowie ergänzende Materialien finden Sie unter www.gurs1940.de.

Bildquelle:
Häftlinge im Internierungslager Gurs (Hauptstaatsarchiv Stuttgart EA 99/001 Bü 304 Nr. 28)

Zurück zur Übersicht

Im gemeinsamen Gruß des Landesbischof der Evangelischen Landeskirche Baden und des Landesrabbiner in Baden heißt es:

Das Festjahr 1700jähriger Präsenz des Judentums hierzulande ist Anlass für eine erneuerte Beziehung.

Liebe Freund*innen in den jüdischen und evangelischen Gemeinden in Baden,

1700 Jahre jüdisches Leben in unserem Land – heute lebendiger denn je! Darüber freuen wir uns von Herzen. Ist doch das lebendige Judentum unter uns ein Zeichen, dass G‘ttes Lebenswille für sein Volk ungebrochen ist. Wir sehnen uns nach einer Zeit, da alle Bedrohungen und Beeinträchtigungen jüdischen Lebens in unserer Gesellschaft überwunden sein werden und polizeilicher Schutz für Juden und jüdische Einrichtungen der Vergangenheit angehören. Wir sind noch nicht soweit. Doch beim Sederabend des Pessach-Festes gedenken die jüdischen Gemeindemitglieder und ihre Familien nicht nur der konkreten Erfahrungen von Not und Anfeindungen, sondern auch der Erfahrungen von Freiheit und Offenbarung.

Über die Grenzen von Religion und Konfession hinaus, über die Grenzen von Ländern und Kulturen hinweg, erleben wir in diesen Monaten der Pandemie gemeinsam, wie verletzlich, ausgeliefert und verbunden wir sind. Uns eint die Gewissheit, dass G‘ttes Allgegenwart uns lebensschaffende Kraft spendet und stärker ist als alles, was uns auf dieser Welt fesseln und ängstigen kann.

Als jüdische und christliche Gemeinden gehen wir in diesen Tagen auf wichtige Festtage zu und feiern: Der ewige, lebendige G‘tt schafft Befreiung aus aller Sklaverei. Allen Todesmechanismen dieser Welt setzt G‘tt die neue Wirklichkeit eines befreiten Lebens entgegen. Pessach und Ostern sind für jüdische und christliche Gläubige die wunderbaren Widerworte G‘ttes gegen alle Fesseln dieser Welt. Sie machen uns Mut und rufen uns zu: „Fürchtet euch nicht!“

Im Festjahr des jüdischen Lebens in Deutschland feiern wir unseren Glauben in einem erneuerten Bewusstsein darüber, wie intensiv wir aufeinander bezogen sind. Die Aktion #beziehungsweise versucht die besondere jüdisch-christliche Beziehung über ein ganzes Jahr hinweg durchzubuchstabieren. „Beziehung“ wahrt die Würde des je Eigenen und Unverwechselbaren, doch sucht sie umso energischer die Verbindung.

So grüßen wir unsere Gemeinden zu diesen Feiertagen mit Chag Pessach Sameach und Gesegnete Ostern.
Möge die Liebe und Barmherzigkeit G‘ttes uns und alle Menschen in die Freiheit führen.

Moshe Flomenmann, Landesrabbiner in Baden und Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche Baden

Gemeinsamer Gruß von Landesbischof und Landesrabbiner zu den Feiertagen

Zurück zur Übersicht

„Extremismus, Diskriminierung und Antisemitismus dürfen in unserer Gesellschaft keinen Nährboden finden. Mit der bundesweit ersten Benennung von Polizeirabbiner/innen in der Polizei gehen wir in Baden-Württemberg neue Wege und verdeutlichen gleichzeitig eine ganz klare Haltung: Unsere Polizei steht für Offenheit und Toleranz – und damit fest auf dem Boden der Verfassung“, sagte der Stv. Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl anlässlich der Unterzeichnung der „Vereinbarung über die Benennung von Polizeirabbiner/innen sowie deren Arbeit in der Polizei des Landes Baden-Württemberg“.

Die Polizeirabbiner/innen werden angehenden Polizeibeamten/innen notwendiges Wissen über das heutige jüdische Leben in Deutschland als selbstverständlichem Bestandteil der heutigen deutschen Gesellschaft vermitteln, zunächst für zwei Jahre. Darüber hinaus werden die Polizeirabbiner/innen allen Beschäftigten der Polizei und deren Angehörigen als Vertrauens- und Ansprechpersonen zur Verfügung stehen.

„Ich freue mich, dass wir die Vereinbarung über die Benennung von Polizeirabbinern mit dem Land Baden-Württemberg unterzeichnen konnten. Baden-Württemberg ist damit einmal mehr das erste Land, das neue Wege geht und damit antisemitische Tendenzen, wo auch immer sie auftreten, zurückdrängt. Ich hoffe, dass unser Land das Vorbild und der Vorreiter sein wird für entsprechende Vereinbarungen in allen Bundesländern“, betonte Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden.

Pressemitteilung - Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration

Zurück zur Übersicht