Aus Anlass ihres 20-jährigen Bestehens durfte die Israelitische Kultusgemeinde Rottweil/VS am 26. Juni 2023 eine neue Torarolle in Empfang nehmen. Fast ein Jahr war sie in Jerusalem von der Hand eines Sofer (Kalligraph) mit Gänsekiel auf Pergament geschrieben worden. Nun wurde ihre Vollendung gemäß der Tradition mit dem Schreiben der letzten Buchstaben im Rahmen einer Feststunde in der Synagoge Rottweil gefeiert. Die enge Verbundenheit der jüdischen Gemeinde und der IRG Baden mit den Kommunen und dem Land Baden-Württemberg zeigte die große Anzahl von Ehrengästen aus Politik und Kirche, die zur Feier gekommen waren.
Die Zeremonie fand unter der Leitung von Landesrabbiner Moshe Flomenmann statt. Eine besondere Ehre wurde ausgewählten Persönlichkeiten zuteil, die mit Sofer Rabbiner Boruch Lamdan die letzten neun Buchstaben unter Berührung des Gänsekiels mitschreiben durften. Der Vorsitzende der IRG Baden Rami Suliman, Schreiber des ersten Buchstaben, betonte in seiner Begrüßung die Freude über diesen Anlass, der nach der Shoa nicht selbstverständlich sei und würdigte das Engagement von Tatjana Malafy, Geschäftsführerin der IKG Rottweil/VS. Landesrabbiner Moshe Flomenmann sprach eine rabbinische Einführung und schrieb den zweiten Buchstaben. Danach folgten Finanzminister BW Dr. Danyal Bayaz, Rottweils OB Dr. Christian Ruf, Landtags-Vizepräsident Daniel Born, die Bundestagsabgeordnete Derya Türk-Nachbaur, die Bundestagsabgeordnete Maria-Lena Weiss, Tatjana Malafy und schließlich Dekan Wolfgang Rüter-Ebel.
Vor der Einbringung in den Toraschrank wurde die neue Sefer Tora zusammen mit den anderen beiden Torarollen der Gemeinde in einer feierlichen Prozession vor die Synagoge getragen. Dort sangen und tanzten die Anwesenden fröhlich zu Elik Roitsteins mitreißender Akkordeonmusik. Die Feier in der Rottweiler Synagoge klang mit einem koscheren Buffet aus.
Bild 1: Die Ehrengäste der Torarollen-Einweihung in der Synagoge Rottweil: v.l. Rabbiner Moshe Flomenmann (Landesrabbiner von Baden), Dr. Christian Ruf (Oberbürgermeister Stadt Rottweil), Daniel Born (Vizepräsident Landtag Baden-Württemberg/SPD), Dr. Danyal Bayaz (Finanzminister Baden-Württemberg/Grüne), Rami Suliman (Vorsitzender IRG Baden), Derya Türk-Nachbaur (Mitglied des Deutschen Bundestages/SPD), Tatjana Malafy (Geschäftsführerin IKG Rottweil), Daniel Karreis (Mitglied des Landtags/FDP, Stadtrat). Auf dem Bild fehlen: Maria-Lena Weiss (Mitglied des Deutschen Bundestages/CDU) und Wolfgang Rüter-Ebel (Dekan, Ev. Kirchenbezirk Villingen).
Bild 2: Tatjana Malafy, Geschäftsführerin IKG Rottweil/VS, freute sich über diesen besonderen Tag
Bild 3: Symbolische Geste: Rami Suliman, Vorsitzender der IRG Baden, überreichte Finanzminister Bayaz den Gänsekiel des Sofer
Bild 4: Landesrabbiner Moshe Flomenmann leitete die Zeremonie
Bild 5: Froher Umzug mit den Torarollen
Bild 6: Die feierliche Prozession beim Einbringen der neuen Torarolle
"Mache dich auf und werde Licht"
Unter diesem Motto fand am 18. Dezember 2022 ein großer Gemeinsamer Festakt statt, zu dem die IRG Baden und die christlichen Kirchen in Baden und Württemberg nach Pforzheim geladen hatten. Die Veranstalter, unter ihnen die IRG Württembergs und die Stadt Pforzheim, wollten damit im Rahmen von Chanukka 5783 und Advent 2022 ein sichtbares Zeichen für Frieden und Verständigung setzen. Zahlreiche Ehrengäste aus Religion und Politik nahmen daran teil. Durch den live vom Landtag Baden-Württemberg übertragenen Festakt führte Rami Suliman, Vorsitzender der IRG Baden gemeinsam mit Christiane Quincke (Ev. Kirche Pforzheim) und Tobias Gfell (Kath. Kirche Pforzheim). Das erste Licht des Chanukka-Leuchters entzündete Landesrabbiner Moshe Flomenmann gemeinsam mit Landtagspräsidentin Muhterem Aras. Die Landtagspräsidentin sowie Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl (Ev. Landeskirche Württemberg) und Erzbischof Stephan Burger (Erzdiözese Freiburg) sprachen Grußworte. Dr. Michael Blume moderierte die Podiumsgespräche, bei denen sich Prof. Barbara Traub (IRG Württembergs), Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart (Ev. Kirche Baden), Landesrabbiner Moshe Flomenmann (Baden) und Bischof Dr. Gebhard Fürst (Diözese Rottenburg-Stuttgart) über die Gemeinsamkeiten der Religionen, die Wahrung der eigenen religiösen Identität und die aktuellen gegenseitigen Beziehungen austauschten. Im zweiten Podiumsgespräch berichteten Oberbürgermeister Peter Boch (Pforzheim), Michael Suliman (Jüdische Gemeinde Pforzheim) und Mirzeta Haug (Rat d. Religionen Pforzheim) vom Gelingen und den Herausforderungen interreligiösen Zusammenlebens in Pforzheim.
Die Filme des Gemeinsamen Festakts 2022 können auf YouTube gesehen werden unter:
Gemeinsamer Festakt 2022 - Livestream
Gemeinsamer Festakt 2022 - Impressionen
Gemeinsamer Festakt 2022 - Podiumsgespräch 1
Gemeinsamer Festakt 2022 - Podiumsgespräch 2
Ausführliches über den Gemeinsamen Festakt 2022 »
Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Filme: Wossidlo-Film
Chanukka Sameach!
Auch dieses Jahr sende ich Ihnen herzliche Grüße zu dem Lichterfest, das diese kalte, winterliche Jahreszeit mit jeder Kerze ein wenig mehr erhellt und ein Stückchen mehr Hoffnung und Kraft bringt. Wir erinnern uns an das Wunder zurück, das vor ca. 2200 Jahren stattfand und das mit der Wiedereinweihung des zweiten Tempels gebührend gefeiert wurde. An diesem rabbinischen Feiertag denken wir an die unglaubliche Stärke und den Zusammenhalt des Judentums und der jüdischen Gemeinschaft zurück, ohne die das Judentum heute nicht mehr existieren würde. Wir erinnern uns daran, wie wichtig diese Eigenschaften sind und wie wichtig sie auch für das Sichern der Zukunft des Judentums sind. Dass man immer für das kämpfen muss, an das man glaubt, auch wenn es gerade ausweglos und beinahe unmöglich erscheinen mag. Wir zelebrieren wie jedes Jahr acht Tage lang den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit und den Sieg des Guten über das Böse. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute. Lassen Sie uns die Welt gemeinsam erleuchten und somit mehr Positives in die Welt bringen.
Mit freundlichen Grüßen
Rabbi Moshe Flomenmann, Landesrabbiner von Baden
Grußwort von Landesrabbiner Flomenmann zum Chanukkafest 5783 - DE
Ein Ort der Begegnung - Festliche Einweihung der neuen Gemeinderäumlichkeiten
Die Jüdische Gemeinde Emmendingen feierte mit einem Festakt die Einweihung des neuen barrierefreien Veranstaltungsraumes im Zentrum der Stadt. Ein Ort der Begegnung soll dieser sein und der Jüdischen Gemeinde künftig als Gebetsraum, Gemeinde- und Jugendzentrum sowie als Seniorentreff und für Festlichkeiten dienen. Glücklich über die Fertigstellung dankte die Gemeindevorsitzende Olga Maryanovska in ihrer Rede u.a. auch der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden (IRG Baden) für die Unterstützung während der langen Umbauzeit. Sie gedachte auch an Ute und Klaus Teschemacher, die die Gemeinde im Jahr 1995 neu gegründet hatten. Besonders erfreut zeigte sich die Gemeinde über das Kommen von Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, der sich im Beisein von OB Stefan Schlatterer in das Goldene Buch der Stadt eintrug. In seinem Grußwort stellte der Zentralratspräsident die Geschichte der Emmendinger Gemeinde vom ersten Nachweis bis zum vorläufigen Ende durch die Shoa dar und würdigte den im Jahr 2020 begangenen 25. Geburtstag der Neugründung. Viele weitere Ehren- und Festgäste nahmen an der Feier teil. Landesrabbiner Moshe Flomenmann befestigte die Mesusa an der Tür und wünschte der Gemeinde alles Gute im neuen Gebäude. Er und Ortsrabbiner Yaakov Yosef Judkovsky betonten die wichtige Aufgabe, die die Gemeinde in diesen Tagen mit der Integration jüdischer Flüchtlinge aus der Ukraine bekommen habe.
Bild 1: Ortsrabbiner Yaakov Yosef Yudkowsky und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Emmendingen, Olga Maryanovska, freuen sich, dass nach langer Umbauzeit die Mesusa am Eingangspfosten der neuen Gemeinderäumlichkeiten angebracht werden konnte.
Bild 2: Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland trägt sich im Beisein von OB Stefan Schlatterer in das Goldene Buch der Stadt Emmendingen ein.
Bild 3: Thorsten Orgonas, Geschäftsführer IRG Baden mit Olga Maryanovska, Gemeindevorsitzende sowie Ruslana Khasminska, ehemalige stellvertretende Vorsitzende.
Die Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche Baden, der Landesrabbiner in Baden sowie der Erzbischof der Erzdiözese Freiburg grüßen die jüdischen und christlichen Gemeinden zu den Feiertagen. Im gemeinsamen Gruß heißt es:
Nissan 5782/April 2022
Sehr geehrte Damen und Herren,
der Krieg in der Ukraine legt sich wie ein Schatten über unser Leben, er überschattet auch die Vorbereitungen auf die großen Feste Pessach und Ostern. Dieser Krieg ist in all seiner Schrecklichkeit nur einer von den vielen Kriegen und bewaffneten Konflikten, die weltweit stattfinden. Millionen Menschen sind auf der Flucht.
Pessach und Ostern sind zwei religiöse Anlässe, in diesen so bedrängenden Zeiten zur Ruhe und Besinnung zu kommen und für den Frieden zu beten: Pessach und Ostern führen uns aus der inneren wie äußeren Unfreiheit in die echte, vom Ewigen geschenkte Freiheit. Dieses Geschenk sollten wir in unser alltägliches Miteinander einbringen.
Jetzt ist die Zeit, um gemeinsam Wege zum Frieden zu gehen. Die verschiedenen biographischen Hintergründe der Menschen in den jüdischen und christlichen Gemeinden Badens sind eine Chance für Verständigung und Integration. Wir bitten alle Gemeinden, sich im Austausch, der den jeweiligen Glauben achtet und mit einbezieht, miteinander für Versöhnung und die offene Aufnahme von Flüchtlingen besonders aus der Ukraine einzusetzen.
Die Zusammenarbeit zwischen jüdischen und christlichen Gemeinden kann nicht nur Sprachbarrieren mindern, sondern die religiöse Dimension unseres Handelns betonen. Wir wissen uns in der Hoffnung auf jenen Frieden verbunden, den uns der Prophet Jesaja vor Augen führt: „Sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“
Pessach und Ostern – zwei Feste, die uns zusammenrücken lassen, in gegenseitiger Wertschätzung und in Rückbesinnung auf den Frieden, der uns von oben geschenkt ist. Beten wir an Pessach und Ostern für den Frieden und für die Betroffenen von Kriegen in der Ukraine wie weltweit.
Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen zu Pessach und Ostern
Landesbischöfin Heike Springhart, Evangelische Landeskirche Baden
Landesrabbiner Moshe Flomenmann, Israelitische Religionsgemeinschaft Baden
Erzbischof Stephan Burger, Erzdiözese Freiburg
