Jüdisches Leben gehört zu unserem Land: früher, heute und in Zukunft!

„Mit großer Sorge beobachten wir, dass der Antisemitismus gerade in der jüngsten Vergangenheit wieder auf dem Vormarsch ist – in den Köpfen der Menschen, in den sozialen Medien und leider auch in Form von schweren Straftaten. Das alles geschieht leider auch hier bei uns in Baden-Württemberg. (…)“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Deshalb setze die Landesregierung mit dem Vertrag zum Schutz jüdischer Einrichtungen und zur gemeinsamen Abwehr des Antisemitismus mit den Israelitischen Religionsgemeinschaften ein klares Zeichen gegen Ausgrenzung und Zwietracht und fülle gesellschaftliche Grundwerte wie Freiheit, Menschenwürde und Toleranz mit Leben: „Für mich und meine Landesregierung ist klar, dass Antisemitismus uns in unseren Grundfesten bedroht, weil er genau die Werte in Frage stellt, auf denen unser friedliches Miteinander basiert“. Als ein erster wichtiger Termin steht die Vertragsunterzeichnung auch im Kontext des Festjahres zu 1700 Jahre jüdischem Leben in Deutschland, das bundesweit 2021 begangen wird. „Wir wollen 2021 auch als Chance wahrnehmen, um voneinander zu lernen – für eine gemeinsame und bessere Zukunft. Und auch dafür ist der heutige Termin ein wesentlicher Ausdruck. Jüdisches Leben gehört zu unserem Land: früher, heute und in Zukunft!“ so Ministerpräsident Kretschmann.

Ein bedeutender Tag

Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden (IRG Baden) betonte: „Heute ist ein bedeutender Tag: die Vereinbarung zur Sicherheit zwischen dem Land Baden-Württemberg und den Israelitischen Religionsgemeinschaften in Baden und Württemberg wird unterzeichnet. Vor elf Jahren, im Jahre 2010, war schon einmal ein solch bedeutender Tag. Dieser bedeutete die Grundlage für die wirtschaftliche Existenzsicherung der jüdischen Gemeinden im Land: die Unterzeichnung des Staatsvertrages. Aber vor einem Jahrzehnt hätte sich das niemand vorstellen können: Heute müssen wir Leib und Leben der Juden im Land schützen, nicht nur die wirtschaftliche Existenz. Wir sind traurig, dass solche Maßnahmen überhaupt nötig sind. Aber wir sind stolz auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Landesregierung und allen demokratischen Fraktionen im Landtag sowie auf die Unterstützung durch die Zivilgesellschaft. Gemeinsam werden wir unsere freiheitliche Demokratie gegen diejenigen, die nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, verteidigen“.

Im Rahmen des Vertrags wird die Landesregierung Mittel für bauliche Sicherungsmaßnahmen von jüdischen Einrichtungen, für personelle Sicherheitsmaßnahmen sowie für Alarm- und Meldesysteme bereitstellen. Des Weiteren unterstützt die Landesregierung den Aufbau einer Jüdischen Akademie für Baden-Württemberg.

Künftige Jüdische Akademie Baden-Württemberg

Die Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW), Prof. Barbara Traub, sagte: „Jüdisches Leben ist wieder aktiver Teil unserer vielfältigen Gesellschaft, doch der Ungeist des Antisemitismus ist längst nicht verschwunden. Daher danken wir der Landesregierung von Baden-Württemberg für die Unterstützung der Sicherungsmaßnahmen für unsere Gemeinden, damit sich die jüdischen Menschen und Besucherinnen und Besucher der Synagogen und Gemeindezentren sicher und geborgen fühlen können. Die künftige Jüdische Akademie Baden-Württemberg wird den Bürgerinnen und Bürgern Zugänge eröffnen und jüdische Perspektiven auf die drängenden Fragen unserer Zeit ermöglichen.“

Die Kippa gehört auf den Kopf und nicht in den Rucksack

Zur Unterzeichnung des Vertrags des Landes Baden-Württemberg mit den Israelitischen Religionsgemeinschaften zum Schutz jüdischer Einrichtungen und zur gemeinsamen Bekämpfung und Abwehr von Antisemitismus sagte der Stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl: „Ich finde mich nicht damit ab, dass sich heute jüdische Menschen in Deutschland darüber Gedanken machen müssen, ob sie sich in der Öffentlichkeit als Jüdin oder Jude zu erkennen geben oder nicht. Ich finde mich nicht damit ab, dass Synagogen unter Polizeischutz stehen müssen. Ich finde mich nicht damit ab, dass Feinde unserer freiheitlichen Gesellschaft antisemitisches Gedankengut verbreiten. Deshalb setze ich mich mit aller Kraft dafür ein, dass keiner den offenen und den latenten Antisemitismus in unserer Gesellschaft ignoriert oder gar akzeptiert. Es ist unsere gesamtgesellschaftliche Verantwortung jederzeit dafür einzustehen, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland sicher leben können. Die Kippa gehört auf den Kopf - und nicht in den Rucksack."

Pressemitteilung - Staatsministerium Baden-Württemberg

Zurück zur Übersicht

Fachtag "Antisemitismus 2.0 - Hass. Hetze. Handeln."

Kernelement des Fachtages war ein Podiumsgespräch, das im Internet übertragen wurde. Den Fachtag moderierte Dr. Michael Blume, der Beauftragter der Landesregierung gegen Antisemitismus. Behandelt wurde dabei zunächst die von allen Teilnehmenden betonte Wirkung des Internets als Brandbeschleuniger.

„Durch den Anschlag in Halle ist den politisch Verantwortlichen vor Augen geführt worden, wie prekär die Lage ist, dass unsere Aussagen zur Bedrohungslage nicht nur gefühlte Realität waren. Die Landesregierung, das Staatsministerium und das Innenministerium haben partnerschaftlich mit uns gemeinsam die Sicherheitslage analysiert und entsprechende Maßnahmen ergriffen. Zusätzlich planen wir die Errichtung einer Jüdischen Landesakademie in Heidelberg. Diese soll durch Schulungs- und Aufklärungsarbeit helfen, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit, wie sie sich auch in den Sozialen Medien Bahn bricht, zurückzudrängen“, so Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden und Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland.

„Wir müssen die Wahrnehmung und Bilder von Jüdinnen und Juden der Gegenwart anpassen, weg von Stereotypen und Klischees. Es ist wichtig, dass wir nicht mehr vorrangig in der Opferrolle wahrgenommen werden. Daran müssen wir gemeinsam arbeiten“, so die Leiterin des Erziehungsreferats der IRG Baden, Susanne Benizri-Wedde. Die Vizepräsidenten des Bundes jüdischer Studenten Baden e. V., Ruth Bostedt betonte: „Auch im Internet wächst die Gefahr. Gerade Verschwörungsmythen benutzen in ihren Chatgruppen klare antisemitische Ressentiments. Hier muss auf Landesebene entschieden entgegengetreten und aufgeklärt werden.“

Das Podiumsgespräch auf dem YouTube-Kanal der Polizei Baden-Württemberg.

Pressemitteilung - Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg

Zurück zur Übersicht

Gespräch mit 321-Generalsekretärin Sylvia Löhrmann im Staatsministerium

Zu einem Informationsaustausch über das Festjahr 2021 "321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" trafen sich Vertreter der IRG Baden und der IRGW mit der Generalsekretärin des Vereins 321 Staatsministerin a.D. Sylvia Löhrmann und dem Beauftragten gegen Antisemitismus Dr. Michael Blume im Staatsministerium. Die jüdischen Gemeinden in Baden-Württemberg wollen das Festjahr dazu nutzen, das vielfältige, aktive jüdische Leben der Gegenwart deutlicher sicht- und erlebbar zu machen. Der Verein 321 bezieht sich auf die erste bekannte urkundliche Erwähnung jüdischen Lebens in Deutschland vor 1700 Jahren - er koordiniert die Öffentlichkeitsarbeit für das umfangreiche bundesweite Programm.
Weitere Einzelheiten finden Sie unter: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Zurück zur Übersicht

Der Oberrat der IRG Baden hat in seiner Sitzung am 15.03.2020 turnusgemäß einen neuen Vorstand gewählt. Dabei wurden alle bisherigen Vorstandsmitglieder einstimmig für weitere zwei Jahre in ihren Ämtern bestätigt. Als Vorsitzender amtiert weiterhin Rami Suliman von der Jüdischen Gemeinde Pforzheim. Erneut zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurden Tatjana Malafy von der Israelitischen Kultusgemeinde Rottweil/Villingen-Schwenningen und Rechtsanwältin Bianca Nissim von der Jüdischen Gemeinde Pforzheim. Dr. Robert Fritsch von der Jüdischen Kultusgemeinde Heidelberg und Hanna Scheinker von der Israelitischen Kultusgemeinde Lörrach komplettieren den Vorstand wie bisher.

Zurück zur Übersicht

Der Vorsitzende der IRG Baden Rami Suliman begrüßte am Freitag, 28.02.2020 Staatsministerin Theresa Schopper, die auf Einladung der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Karlsruhe besuchte, um gemeinsam mit Gemeindemitgliedern den Schabbat-Gottesdienst zu feiern. An die Grünen-Politikerin gewandt sagte er:

"Wir freuen uns, dass Sie unsere Einladung zum Besuch der Gemeinde angenommen haben und mit ihrer Teilnahme am Gottesdienst ein sichtbares Zeichen setzen für Normalität, die das jüdische Leben in der Mitte der baden-württembergischen Gesellschaft hat."

Während des Gottesdienstes erläuterte der Landesrabbiner von Baden, Rabbiner Moshe Flomenmann, die besondere Bedeutung des Kabbalat Schabbat:

"Der Schabbat ist der höchste Feiertag, obwohl er wöchentlich wiederkehrt. Am Schabbat werden Gäste empfangen und verwöhnt. Am Schabbat öffnen wir uns dem Höchsten und unseren Mitmenschen in besonderer Weise. Wir treten in den gegenseitigen Austausch, werden zu einer großen Familie und schaffen so die Grundlage dafür, im Alltag gut miteinander umzugehen."

Staatsministerin Theresa Schopper betonte, dass die baden-württembergische Landesregierung sich klar zu einem unterreligiösen Zusammenleben bekenne, das von Freiheit, Akzeptanz und Verständnis geprägt ist:

"Jüdisches Leben gehört in die Mitte unserer Gesellschaft. Ich freue mich daher sehr, gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Karlsruhe den Schabbat Gottesdienst begehen zu dürfen."

Der IRG-Vorsitzende Rami Suliman wies darauf hin, dass das gute Einvernehmen der jüdischen Religionsgemeinschaft mit der Landesregierung und den im Landtag vertretenen demokratischen Fraktionen die Grundlage sei, dass jüdisches Leben in Baden sich vielfältig und offen entwickelt habe. "Jüdisches Leben ist mehr als Erinnerung- und Gedenkkultur. Jüdisches Gemeindeleben heute vereint Religion, kulturelle Veranstaltungen, Kinder- Jugend und Sozialarbeit", so Rami Suliman. Die Sicherheitslage sei in letzter Zeit schwieriger geworden, auch das Sicherheitsgefühl der Gemeindemitglieder leide. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Land Baden-Württemberg schaffe hier aber das notwendige Gegengewicht.

"Wir sind dem Land, der Bevölkerung und den Institutionen in Baden-Württemberg sehr dankbar, dass sie an unserer Seite stehen und uns Schutz bieten."

Ein bei angeregten Gesprächen eingenommenes gemeinsames Mahl - der traditionelle Kiddusch - ließ einen denkwürdigen Gemeindebesuch ausklingen.

Zurück zur Übersicht